Foto Gustav
Vergleich Lichtformer | Foto 2018 © Gustav Sommer

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Exemplarischer Vergleich Lichtformer

Um die Grundlagen der Lichtführung exemplarisch für mich etwas besser zu vertiefen, habe ich einerseits den Elinchrom Studioblitz D-Lite RX 4 Blitzkopf (E20487) inkl.18 cm Reflektor ohne und mit Wabe (E26060) für hartes Licht eingesetzt. Anderseits erzeuge ich das „weiche“ Licht mit dem Elinchrom ELB 400 Pro to go Set (E10419), das ich dafür mit dem Bajonett Adapter MKII auf Elinchrom Lichtformer (E26342) mit der Walimex Octabox 120 cm für Elinchrom PLUS PRO OL mit Elinchrom Speedring, mit runder Maske, Gold-/Silbereinsatz sowie Zwischen- und Außendiffusor verbunden habe. Die zur Octabox gehörende Wabe ist an der hier entstandenen Bilderserie heute (noch) nicht beteiligt.

Die beiden Studio-Blitze werden mit dem einfachen Funksender Skyport Transmitter PLUS (E19368) , der Bestandteil des ELB 400 pro Sets ist, über den Blitzschuh an meiner Sony drahtlos ausgelöst. Die Einstellungen der Blitzköpfe konnte ich in meinem gerade im Aufbau befindlichen Studio Foto Gustav sehr komfortabel am Laptop mit der Elinchrom EL-Skyport Software via dem preiswerten Elinchrom Skyport USB RX Transceiver MKII (E19363) vornehmen.  Mit der EL-Skyport Software können alle RX Blitzgeräte (D-Lite RX, BRX, Ranger Quadra Hybrid RX, ELC HD ) kontrolliert und eingestellt werden. Das funktioniert bestens, sofern die Blitzgeräte beim Start der Software bereits eingeschaltet sind. Darüber hinaus können auch Licht-Setups (grafisch) dokumentiert, gespeichert und abgerufen werden.

Die Schatten und die Plastizität des Gesichts, sowie der Schattenwurf auf dem Hintergrund interessieren mich bei diesem eigenen, empirischen Vergleich besonders. Einblicke in die Licht-Schatten-Wirkungen ausgewählter, verschiedener Lichtpositionen durch Übung selber besser verstehen ist das Ziel dieser Tutorials.

Getreu dem Motto: Nicht reden – machen!  oder Nicht glauben, ausprobieren! (Quelle: Stefan Wiesner)

Sämtliche Bilder von Paula sind „out of cam“ also im Wesentlichen unbearbeitet. Die Bilder der Blitzköpfe nebst Lichtformern sind einfache Handyfotos nach dem Motto ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

Hartes Licht

Studioblitz mit Reflektor

Das Model Paula steht etwa 100 cm vom Hintergrund – einer weißen Wand – entfernt. Der Studioblitz – hier und heute ein Elinchrom D-Lite RX 4 Blitzkopf (E20487) inkl.18 cm Reflektor – steht aus Sicht des Models rechts (ca. 45 °) und ca. 120 cm vom Model entfernt. Das Model schaut in Richtung Blitzkopf und die Leistungseinstellung ist 2.0, das entspricht in diesem Fall 27 Ws. Der Blitzkopf ist schräg um ca. 45° nach unten geneigt. Die Höhe ist mit dem integrierten Einstelllicht  so eingestellt, dass der Nasenschatten ungefähr auf 1/3 Entfernung zwischen Nasenspitze und Oberlippe endet.

Bis auf das Einstelllicht ist das Studio im Wesentlichen abgedunkelt. Die Kameraeinstellungen (Sony ILCE-6500) f/5.0 / 1/160 s / ISO 100. Das Objektiv SONY SEL50F18F ist eine 50 mm Festbrennweite (Brennweite genutzt mit APS-C: 75 mm). Fokussiert wurde auf ein Auge. Durch Blende 5 liegt die Tiefenschärfe im gewünschten Bereich.  

Ergebnis

Die Wirkung ist, wie aus dem Lehrbuch erwartet. 😎 Der Nasenschatten, der Schatten unter der Unterlippe und der Schatten unter dem Hals fallen relativ hart aus. Die Kinnkontur trennt das Gesicht deutlich vom Hals. Das Gesicht ist hell und die dunklen Haare sind deutlich vom Hintergrund getrennt.  Das Muster der Bluse ist fein heraus gearbeitet. Das Licht leuchtet den Oberkörper des Models hell aus. Auf der Wand ist der Schlagschatten des Models deutlich erkennbar. Der Bildausschnitt ist am Lernziel des Tutorials und nicht an „Harmonien“ orientiert. 

In der Praxis kann diese Lichtsetzung für „markante Köpfe“ und/oder vor dunklem Hintergrund und/oder bei passendem Zuschnitt die richtige Wahl sein.

Die glänzenden Stellen auf der Haut sind hier besonders „modelspezifisch“ und habe ich bereits in den Vorbemerkungen (pudern, retuschieren etc.) erläutert und kommentiert.

Studioblitz mit Reflektor und Wabe

Die Lichtsetzung und die Kameraeinstellungen sind exakt gleich. Der 18 cm Reflektor hat zur besseren „Bündelung“ des Lichts innerhalb des Lichtformers eine Wabe bekommen, die die Streuung des Lichts vermindert und das Licht noch gezielter ausrichtet.  Die Lichtleistung wurde minimal erhöht, um die „Verluste“ der Wabe auszugleichen. 

Ergebnis

Das Licht ist im Unterschied zum vorangegangenen Ergebnis nochmal etwas härter geworden. Die Schatten fallen markanter (kräftiger und stärker) aus. Der Oberkörper ist heller, der Unterkörper dunkler beleuchtet. Sonst gilt auch hier das im vorigem Abschnitt postulierte.

Diese beiden ersten Beispiel sind eine leichte Abwandlung des Hochfrontal Licht mit Reflektor, wie hier im Blog im gleichnamigen Tutorial vor kurzem beschrieben.

Weiches Licht

Octabox Gold

Von Hause aus gilt die Regel: Je größer die Octa … umso weicher das Licht. Darüber hinaus ist die Entfernung ebenso entscheidend. Für ein weiches Licht muss der Abstand zum Model klein bleiben. 

Das Model Paula steht etwa 100 cm vom Hintergrund – einer weißen Wand – entfernt. Der Studioblitz – ist in diesem Beispiel ein Elinchrom ELB 400 Pro to go Set (E10419). Das Set besteht u.a. aus einer aufladbaren  Li-Ionen Batterie, dem ELB 400 Generator, dem extrem leichten Blitzkopf PRO. Dieser wird später mit Hilfe des zusätzlichen Bajonett Adapter MKII  (E26342)  auf Elinchrom Lichtformer angepasst. Mit dem ebenfalls mit geliertem Ladegerät lädt man als erstes den Akku auf. Die Kontrolleuchte am Ladegerät scheint während der Ladung rot und ist der Akku voll, leuchtet diese grün. Der Akku selbst hat einen Taster  über den sich jederzeit der Ladezustand über vier LEDs abfragen lässt. Nach dem Einsetzten der Sicherung und dem Aufladen kann der Akku mit dem Generator verbunden werden. Auf zwei deutliche Klickgeräusche beim Anstecken des Akkus achten und schauen, ob die Rastnasen zwischen Akku und Generator vollständig eingerastet sind! Mit zwei Karabinerhaken den Tragegurt mit dem Generator und dem Akku verbinden. Damit lässt sich die Kombination auch später elegant am Lichtstativ befestigen und sich der Schwerpunkt niedrig halten. 

Der Aufbau der zerlegt und platzsparend gelieferten Walimex Octabox  120 cm für Elinchrom PLUS PRO OL ist auf Grund der Größe und der Kräfte, die bei der Montage der Stangen aufgebracht werden müssen, nicht ohne. Wichtig ist dabei zu erkennen, dass es 6 + 2 = 8 Stangen sind und das es demzufolge auch 6 + 2 verschiedene Aufnahmefräsungen im Montagering gibt. Also Gehirn einschalten, cool bleiben und dann mit Geschick und Kraft; aber ohne Gewalt die Octabox montieren und auf die 2 Stangen mit den Hülsen besonders achten. Das Aufschieben der Hülsen ist für die Stabilität wichtig! Vorher vielleicht noch das eine oder andere Video zur Montage im Internet ansehen, denn es liegt keine Anleitung zur Montage bei. Ist dieser Teil der Arbeit geschafft, schraubt man/frau jetzt den  Elinchrom Speedring ein. Ab jetzt ist die Octabox mit dem Elinchrom Adaptersystem kompatibel.

Als nächstes schraubt man den  Bajonett Adapter MKII auf ein Stativ und hängt die  Octabox ein. Erst jetzt sollte man/frau den Schutz vom Blitzkopf mit Knopfdruck aus der Rastung lösen und nun vorsichtig den Blitzkopf mit der freiliegenden Blitzröhre behutsam mit dem Adapter MKII verbinden und einrasten. Anschließend  den Blitzkopf mit dem im Set mitgelieferten Kabel mit der Buchse A des Generators verbinden. 

Das Stativ mit dem Set steht aus Sicht des Models rechts (ca. 45 °) und ca. 120 cm vom Model entfernt. Das Model schaut mittig in Richtung Octabox  und die Leistungseinstellung ist 3.9, das entspricht in diesem Fall 99 Ws. Die Octabox ist schräg nach unten geneigt. Die Höhe ist mit dem integrierten LED-Einstelllicht  so eingestellt, dass der Nasenschatten ungefähr auf 1/3 Entfernung zwischen Nasenspitze und Oberlippe endet.

Die goldene Folie im inneren der Box sorgt dafür, dass das Bild etwas wärmer daher kommt. Eine wärmere Lichtstimmung schmeichelt allgemein den meisten Motiven. Das ist natürlich auch oft eine Frage des persönlichen Empfindens. Der weiße Zwischen-Diffusor und der Front-Diffusor sowie die runde Maske sind eingesetzt.

Ergebnis

Die Wirkung ist auch hier, wie erwartet. Die Schatten sind deutlich weicher als in den ersten beiden Beispielen. Das Gesicht ist wunderbar weich. Das liegt natürlich auch am Model. Auch die Kinnkontur trennt das Gesicht weich vom Hals. Das Gesicht ist hell und nicht überstrahlt. Die dunklen Haare sind gut vom Hintergrund getrennt.  Das Muster der Bluse ist fein heraus gearbeitet. Das Licht leuchtet den Oberkörper des Models weich aus. Auf der Wand ist der Schlagschatten des Models beinahe vollständig verschwunden. Der Bildausschnitt ist am Lernziel des Tutorials und nicht an „Harmonien“ orientiert. 

Allerdings ist mir das Licht insgesamt etwas zu gold/orange. Die Hauttöne sind mir zu warm und die weiße Wand erscheint orange/beige. Ein veränderter Weißabgleich oder eine Mischung der vierteiligen Innenfolie zwischen gold und silber  könnten mir hier weiter helfen.

Octabox Gold ohne Diffusoren

Der Aufbau ist identisch zum vorhergehenden Lichtset. Lediglich die Diffusoren und sowie die runde Maske sind entfernt. Dadurch wurde auch die Blitzleistung um rund 25 Ws auf 75 Ws reduziert.

Ergebnis

Ohne Zwischen- und Frontdiffusor ist das Gesicht weniger weich und hat etwas mehr Kontur. Der Nasenschatten und der Schatten unter der Unterlippe sind wunderbar deutlich.  Auch die Wangen sind lehrbuchhaft etwas betont. Eine wirklich gefällige Beauty-Ausleuchtung, wenn da nicht die übertriebene Wärme im Bild wäre. Das ist aber letztendlich Geschmacksache und hängt doch auch immer von der eigentlichen Bildidee ab.

Octabox Silber ohne Einsätze

Der Aufbau ist bis auf zwei Punkte identisch zum vorhergehenden Lichtset. Die  Folien im inneren der Box sind jetzt auch noch entfernt. Die Blitzleistung ist auf den kleinsten Wert von 22 Ws reduziert.

Ohne Folie ist der innere Reflektor der Box silberfarbig und der Blitz wirkt direkter.

Ergebnis 

Das Bild ist natürlich sofort deutlich kühler. Auch die Härte des Lichts ist höher. Die Konturen und Kontraste werden deutlicher. Die Schatten im Gesicht sind stärker und der Wandschatten ist wieder leicht erkennbar.  

Octabox Silber ohne Diffusoren

Die vier silbernen Folie werden in das innere der Octabox geklettet. Das übrige Licht Setup bleibt gleich.  

Ergebnis

Die vier silbernen Folie im inneren der Box sorgen dafür, dass das Bild etwas kühler im Vergleich zu den goldenen Folien dargestellt wird. Die Schatten im Gesicht sind nur geringfügig weicher und der Wandschatten sind kaum verändert.  

Octabox Silber mit Zwischendiffuser

Der weiße Zwischendiffuser wird eingehangen. Das übrige Licht Setup bleibt gleich.

Ergebnis

Der weiße Zwischendiffuser sorgt nun wieder für etwas weicheres Licht. Die Schatten im Gesicht sind etwas weicher und der Wandschatten deutlich geringer.  

Octabox Silber mit beiden Diffusoren

Zusätzlich zum Zwischendiffusor ist nun auch der Frondiffusor eingeklettet. Die Blitzleistung wird wieder etwas erhöht.

Ergebnis

Beide Diffusoren sorgen für ein weiches Beauty- oder ein weich-modifiziertes Marlene-Dietrich-Licht. Das Gesicht ist wunderbar weich; aber durch die gewählte Höhe doch noch betont. Das liegt natürlich auch am Model. Auch die Kinnkontur trennt das Gesicht halb-weich vom Hals. Das Gesicht ist hell und trotzdem nicht überstrahlt. Die dunklen Haare sind gut vom Hintergrund getrennt.  Das Muster der Bluse ist fein heraus gearbeitet. Die Farben der Kleidung wirken sehr natürlich, Das Licht leuchtet den Oberkörper des Models weich aus. Auf der Wand ist der Schlagschatten des Models beinahe vollständig verschwunden. Auch hier ist der Bildausschnitt ist am Lernziel des Tutorials und nicht an „Harmonien der Bildgestaltung“ orientiert. 

Hinweise

Paula stammt aus der Bucht und hat die nahezu makelose Haut eines idealen Models. Allerdings ist sie heute schlecht „gepudert“ – besonders an den Armen und im De­kolle­té.  😉 Paula war im früheren Leben eine Schaufensterpuppe. Dadurch wirken die hier gezeigten einfachen Lichtsetzungen manchmal besonders weich. Deshalb möge das nachstehende erste Bild die Weichheit etwas relativieren.

Die Gold-Einsätze der Walimex Octabox sind mir etwas zu „warm“ und tauchen das Licht in eine orange Suppe, die meiner Meinung nach – zumindest hier in West-Europa – nicht dem Zeitgeist entspricht. Gott sei Dank sind sie aber auf der Rückseite silbern. Damit lassen sich aus meiner Sicht respektable und differenzierte Ergebnisse erzielen. Auch sonst ist diese relative preiswerte Walimex Octabox – sieht man einmal von der sehr hakeliegen und schwierigen Montage ab – auf jeden Fall eine Alternative zu den originalen Elinchrom Lichtformern, die das x-fache kosten. Für den mobilen Einsatz scheidet allerdings die Walimex Octabox 120 cm a) wegen ihrer Größe und b) wegen der schwierigen Montage aus.

Fazit

Für Models mit tollen Gesichtsformen, hohen Wangenknochen, langen Wimpern und vollen Lippen ist das Marlene-Dietrich-Licht (hochfrontales Licht) ideal für ausdrucksstarke geheimnisvolle Beauty-Portraits. Schlecht geschminkte Models oder welche mit Hautunreinheiten sollten diese Beleuchtung hingegen meiden.
(Quelle: Jens Brüggemann in Kreative Lichtführung)

Je größer die Lichtquelle ist und je näher sie am Motiv steht, desto weicher und diffuser wird das Licht.
(Quelle: Joe McNally in Sketching Light)

Dem ist hinzuzufügen: Weichheit ist nicht alles! Und ein Charakterkopf lässt sich nur mit Blitzen nicht weich kriegen. 😉

Nicht nur die dreidimensionale Position der Lichtquelle sondern auch die Blickrichtung und Neigung des Model-Kopfes beeinflussen die Schattenwirkung und Plastizität enorm. Bereits geringe Abweichungen können das Ergebnis entscheidend verändern.

Die ersten beiden Lichtsetups Studioblitz mit Reflektor können als gerichtete Lichtquellen sicherlich das Hauptlicht für „charakterstarke“ Portraits sein. Je nach Bildidee sind ggf. weitere Lichtquellen und/oder Lichtformer nötig oder sinnvoll. 

Das letzte Lichtsetup dieses Tutorials Octabox Silber mit Diffusern kann eine sehr gute Ausgangsbasis für weiche, harmonische Bilder im Studio sein. Die Größe der hier ausprobierten Octabox 120 cm ist ein guter Kompromiss für ein Studio kleiner bis mittlerer Größe. Kopf-, Schulter-, Brust-, Halbfigur- Hüft-, Knie- und selbst Ganzfigur-Portraits können damit als Hauptlicht  in Szene gesetzt werden. Je nach Bildidee sind ggf. weitere Lichtquellen und/oder Lichtformer nötig oder sinnvoll. 

Hierzu werden im Laufe der Zeit in diesem Blog weitere Tutorials entstehen.

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