Foto Gustav
Martin Krolop und Jill - Fotografieren ohne Kamera | Foto Gustav Sommer

Intensiv Portrait Wochenende mit Martin Krolop

Am vierten Adventwochenende sitze ich erwartungsvoll und gespannt im Zug RE5 auf dem Weg von Voerde am Niederrhein nach Köln, um den bekannten Fotografen Martin Krolop in einem seiner Portait-Workshops zu erleben. Vom Bahnhof Köln Deutz sind es nur 800 m bis zum Fotostudio und Seminarort in einem schönen denkmalgeschützten Haus im Umfeld der city-messe-arena.

Kurz vor 10 Uhr starte ich mit weiteren fünf teilnehmenden Amateur-Fotografen mit einem Kaffee in der Küche des mit Equipment und PC-Arbeitsplätzen pickepacke vollen und trotzdem gemütlichen Studios.

Theorie

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde sind wir auch schon mitten im Thema. Martin Krolop sensibilisiert uns eindringlich für die Entwicklung von Bildideen und für den wichtigsten Aspekt in der Peoplefotografie: die Menschen vor der Kamera. Es geht viel weniger um die Technik und den Fotografen hinter der Kamera sondern um die Menschen, die Modelle mit ihren Erwartungen und Wünschen vor der Kamera. Diese gilt es mit dem gemeinsam erarbeiteten Bildern glücklich zu machen. Der zielführende Dialog mit dem Model und die angestrebte Bildgestaltung sowie der Wohlfühlfaktor nehmen dabei entscheidende Rollen für den Erfolg – also für die Qualität der fotografischen Endergebnisse ein. Oder besser: Die Zufriedenheit, das Glücklichsgefühl des Menschen vor der Kamera mit dem entstehenden Bild ist das eigentliche Ziel.

Da werden bei mir alte Erinnerungen an die Philosophie aus meinem inzwischen hinter mir liegenden Berufsleben wach: Wenn du Erfolg haben willst, stelle nicht dich, sondern den Kunden in den Mittelpunkt!

Einen weiteren breiten Raum nimmt das Thema Fotografieren ohne Kamera – also die detaillierte Bildgestaltung und die Interaktion mit dem Model – ohne durch den Sucher zu schauen – ein.

Praxis

Noch vor der kurzen Mittagspause gesellt sich das Model zu unserer Runde und wir nutzen aktiv die Gelegenheit zum Dialog. Das Gespräch ist sehr entspannt. So erfahren wir viel von Jill und können uns auf sie einstellen. Die 25-jährige Jill ist Studentin und modelt seit vier Jahren im Nebenjob. Sie erzählt von ihrer Arbeit in der Flüchtlingshilfe und ihrem Masterstudium. Natürlich bestimmen auch fotografische Themen, wie Bildschnitt, Lieblings-Posen etc. und no-go Themen den Gesprächsinhalt.

Der erste Setaufbau besteht aus einem LED-Dauerlicht hinter einem Vorhang mit weißem 80er Molton respektive einem Bettlaken. Diese – so mit einfachen Mitteln erzeugte – große Softbox erzeugt ein um so weicheres Licht je dichter diese am Model platziert wird.

Das Model – die coole Jill – lehnt leicht an einem Barhocker vor einem gelben Hintergrund, der mit der Bildidee (hell, freundlich, cooler Blick) und mit der grauen Kleidung etc. harmoniert. Wir fotografieren einzeln und üben auch die Modellführung etc.

Selbstredend fotografieren wir im manuellen Modus. Ausgehend von der gewünschten Blende passen wir die ISO so an, dass wir sicher zu einer verwacklungsfreien Verschlusszeit kommen.

Über den Weißabgleich bestimmen wir bereits bei der Aufnahme den Look des Bildes. Schaue auf dein Display und verändere den Weißabgleich so, dass der von dir gewünschte Look sofort entsteht. Dieser Praxisansatz wird von Martin Krolop uns intensiv nahegebracht.

Als Ergebnis eines kreativen Prozesses basteln wir anschließend eine Lichtkrone, die das Model – in der Art eines Dornen-Kranzes – als Krone trägt. Dazu bauen wir ein zweites passendes Lichtsetup. Wir nutzen wiederum zwei großflächigen LED Dauerlichter – diesmal vor einem braunen, strukturierten Rollen-Hintergrund.

Auch hier setzen wir wieder zu Beginn des Shootings den Weißabgleich neben der Blende als entscheidende Stil-Parameter ein.

Grillen

Am Ende des Tages treffen wir uns im Hof zum Winter-Grillen in sehr entspannter Runde. Jill und Mitarbeiter aus dem K&G-Team sind mit von der Partie. Der Tagesausklang mit Glühwein, Ginn, Kölsch, von Martin persönlich gegrillte Extra-Würste und anderen Köstlichkeiten runden den Tag – mehr als nur mit Smalltalk und Fotografen-Latein – prima ab.

Als ich zu fortgeschrittener Stunde in meinem einfachen Hotel in der Nähe zu Fuß ankomme, bin ich zwar erschöpft; aber ich schaue dankbar auf einen gelungenen Workshoptag mit neuen Erkenntnissen und zahlreichen Anregungen zurück – wunderbar.

Sonntag 4. Advent

Um 9 Uhr blicke ich in der Küche des Studios in entspannte und zufriedene Gesichter. Der gestrige Tag war erkenntnisreich und inspirierend.

Heute geht’s um ein kreatives Foto. Die Messlatte legt Martin Krolop hoch. Wir entwickeln im Team eine gemeinsame Bildidee. Dabei wollen wir typische Merkmale betonen: Jills kühler Blick, die Schulterknochen, Eine verdeckte und geheimnisvolle Stimmung möchten wir mit Nebel und glänzender Haut unterstreichen. Wir wollen ein spannendes Bild schaffen, das coole Akzente setzt und das man sich nicht nur aus Fotografensicht gerne an die Wand hängt. Hier meine Interpretation:

Auch hinter den Kulissen können interessante Bilder entstehen:

Behind the Scenes Jill im Nebel

Fazit

Der Rucksack ist gepackt und unter dem Arm trage ich einen großen Bildband – vom Crashkurs Portrait 2 – und mein eigenes selbst gerahmtes Foto – auf Leinwand und sicher in Luftpolsterfolie verpackt. Auf dem Weg zu Fuß zum Bahnhof ist mein Kopf noch voll der Eindrücke und Anregungen von diesem Intensiv Wochenende. Für mich war es wunderbar Eindrücke der Arbeitsweise und Einblicke in Praktiken zu bekommen. Trotz Regen komme ich mit einem tiefen Gefühl der Zufriedenheit über das in den letzten zwei Tagen erlebte und den Kopf voller Inspirationen am Bahnhof an. Danke Jill und Danke Martin Krolop und auch Danke an alle teilnehmenden Fotografen für das gute Miteinander. Frohe Weihnachten Euch allen!

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