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Gasflamme | Foto PublicDomainPictures - pixabay gemeinfrei

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Weißabgleich

Bei den meisten Gelegenheiten funktioniert der automatische Weißabgleich moderner Kameras völlig ok und führt zu farbstichfreien Bildern. Es gibt aber Situationen, wo man besser den Weißabgleich manuell einstellt. Wie so oft gibt es viele Wege, die zum (farbstichfreien) Ziel führen. Nach einer kurzen Auffrischung der Theorie zeige ich in diesem Beitrag meinen Workflow in ausgewählten Situationen.

Theorie

Eine Kamera arbeitet nicht wie unser Gehirn. Unser Gehirn erkennt eine weiße Wand als weiß, weil wir wissen, dass sie weiß ist. Aber eine Kamera hat nur einen dummen Sensor eingebaut. Der weiß erst einmal nichts von einem Weiß.

Ob die Kamera ein Weiß als solches wahrnimmt, hängt vom Umgebungslicht ab. Das Licht einer Halogenlampe leuchtet zum Beispiel rötlich. Das Tageslicht draußen hingegen ist bläulich. In der Sonne geht das Tageslicht wieder ein wenig mehr ins rötliche, im Schatten wird es dafür ziemlich blau.

Gemessen wird der Grad der Blauheit nicht in Promille, sondern in Kelvin. (Quelle: Martin Goldmann) 

Die so genannte Farbtemperatur bezieht sich auf die Farbe, in der ein theoretischer schwarzer Körper bei der entsprechenden Temperatur brennt. Klingt sehr theoretisch.

Bild 1 Gasflamme | Foto EDUIN pixabay, gemeinfrei

Eine Gasflamme hilft, das Konzept zu verstehen: Je niedriger die Temperatur einer Gasflamme, desto roter ist das Licht. Nah beim Austrittspunkt des Gases ist die Flamme blau, weil sie sehr heiß ist. Weiter weg kühlt die Flamme ab und wird rötlicher. Von hier aus bauen wir die Eselsbrücke: Je röter das Licht, desto kühler die Farbtemperatur. Eine Halogen-Glühlampe hat in der Regel eine Farbtemperatur von 3.200 Kelvin. Das Licht zur Mittagszeit ist bläulicher und nach der Gasflammen-Analogie damit heißer. Es liegt bei etwa 5.600 Grad Kelvin. Unter Wolken können es auch über 6.000 oder 7.000 Kelvin sein. Wichtig: mit den Außentemperaturen hat das nichts zu tun. Die blaue Lichtfärbung hat mit unserer Atmosphäre zu tun. Wir sind ein blauer Planet!

Warmes Licht ist solches mit einer geringeren Farbtemperatur, also Licht in Rot- und Gelbtönen. Kaltes Licht hingegen ist eher blau – hat also eine höhere Farbtemperatur. Die Angaben „warm“ und „kalt“ beziehen sich also nicht auf die Kelvin-Gradangaben, sondern darauf, wie wir in unserem Kulturkreis die Farben empfinden – Orange ist eine warme Farbe, Blau eine kalte Farbe.

Als wäre das mit der Farbtemperatur nicht schon knifflig genug, gibt es noch ein anderes Problem: Neonlicht, Licht von Energiesparlampen oder von LED-Leuchten. Bei all diesen Leuchtmitteln hat das Licht je nach Qualität der Lampe einen deutlichen Stich ins Grüne. Und wenn in der Location viele Grünpflanzen sind, wird man/frau ebenfalls einen Schuss ins Grüne bekommen. Schließlich reflektieren die Licht. Und sie sind grün. Man muss also nicht nur die korrekte Farbtemperatur einstellen, sondern auch dafür sorgen, dass ein möglicher Grünstich ausgeglichen wird.

Die nachstehenden Bilder zeigen das gleiche Bild mit unterschiedlichem Farbtemperaturen, die in der Bearbeitung über den Weißabgleich in Lightroom verändert wurden:

Das linke Bild 2 ist mit 2.200 K sehr kühl und blaustichig. Das mittlere Bild 3 entspricht in diesem Beispiel mit 3.200 K dem Wert des automatischen Weißabgleich bei der Aufnahme und das rechte Bild 4 wurde mit 4.200 K zu warm und orange/gelb-stichig entwickelt.

Manueller Weißabgleich in der Kamera

Der manuelle Weißabgleich berücksichtigt den Grünstich und gleicht auch den aus. Praktisch jede Kamera hat eine Funktion dafür – meist unter dem Kürzel „WB“ oder „Whitebalance“ (siehe Handbuch der Kamera). Der manuelle Weißabgleich funktioniert immer nach folgendem Schema: weiße oder graue Stelle (Graukarte) suchen, Taste für den Weißabgleich drücken, fertig. Der Weißabgleich bleibt dann bis zur nächsten Änderung gespeichert. Deshalb ist es auch so wichtig, den Abgleich jedes Mal zu überprüfen. Denn wenn man erst in einem Innenraum mit Kunstlicht fotografiert und dann draußen, wird man ohne erneuten Abgleich einen heftigen Blaustich ernten. Weitere Details dazu hier.

Der manuelle Weißabgleich ist lästig, wird schnell vergessen und wird von mir in der Praxis in der Form nicht oder sehr selten angewendet. Deshalb bevorzuge ich im allgemeinen den automatischen Weißabgleich AWB der Kamera.

Automatischer Weißabgleich in der Kamera

Im Menü White Balance die Einstellung AWB auswählen. 

Weißabgleich bei Shootings oder Bildserien

Bewährte Praxis ist im Menü White Balance die Einstellung Tageslicht Daylight (Sonnensymbol) auswählen. 

Beim Shooting kommt es mir u. a.  auf die farbliche Reproduzierbarkeit der Bilder eines Sets, einer Serie an. Außerdem möchte ich meistens beim Entwickeln am Rechner in Lightroom die Einstellungen des ersten Bildes einer Serie, eines Setups via Synchronisation auf die übrigen Bilder übertragen. In dem Falle ist der automatische Weißabgleich in der Kamera unzweckmäßig, da der automatische Weißabgleich Bilder innerhalb der Serie mit unterschiedlichen Farbtemperaturen liefern kann und da dies bei der gleichzeitigen Bearbeitung mehrer Bilder via Synchronisation zu unterschiedlich und nicht gewünschten Ergebnissen führen kann.

Deshalb stelle ich vor dem Shooting den Weißabgleich auf einen festen Wert – zum Beispiel auf Tageslicht gemäß Bild 9 und 10 ein.

Weißabglich beim Tethering

Beim Tethering-Shooting kommt es mir auf die halbautomatische Vorentwicklung bei der Übertragung der RAW-Bilder von der Kamera in den Rechner und auf reproduzierbare Farben an. Das heißt die Serie soll zunächst einheitlich in Lightroom ankommen! Dabei gehe ich wie folgt vor:

Zu Beginn stelle ich in der Kamera den Weißabgleich fest auf Tageslicht. (Details siehe Tipps und Tricks in diesem Blog unter Tethering in Lightroom).

Wenn das Lichtsetup klar ist bzw. steht, drücke ich dem Model freundlich eine Graukarte in die Hand und mache eine Testbild. Dieses Testbild kommt, wie hier im Blog an anderer Stelle beschrieben in Lightroom an.

Ich überprüfe das frisch geschossene Bild mit Model und Graukarte am Rechner und führe dann im Modul Entwickeln folgende Arbeitsschritte durch:

  • Grundeinstellungen Im Modul Entwickeln und WA wählen
  • Mit der WA Pipette auf die fotografiere Graukarte klicken

Das führt dazu, dass der WA sich von wie Aufnahme auf Benutzerdefiniert ändert. Und hat zur Folge, das grau jetzt wirklich grau ist. (Quelle: Stephan Wiesner)

PS: Allerdings traue ich meiner Graukarte vom Chinamann nicht und regle die Werte meist nach eigenen Vorstellungen und Farbempfinden nach!  

Als nächstes speichere ich dann unter Vorgaben zum Beispiel im Ordner Benutzervorgaben die aktuellen Einstellungen als neue oder aktualisierte  Vorgabe mit der ich dann die folgenden automatisierten Importe – wie im Beitrag Tethering in Lightroom beschrieben – durchführe.

Dies hat den Vorteil, dass die nächsten Bilder gemäß den Einstellungen mit dem geänderten, benutzerspezifischen Weißabgleich importiert werden und auf dem Rechner-Bildschirm einige Sekunden nach dem Auslösen betrachtet und beurteilt werden können.

Ändere ich das Setup führe ich die vorstehend beschriebenen Weißabgleich mit Anpassung der Einstellungen erneut durch. 

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