Foto Gustav
Jens Brüggemann | Foto 2018 © Gustav Sommer

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Workshop mit Jens Brüggemann

Beauty-Porträt- und Fashion-Fotografie mit Jens Brüggemann 

Der Titel des Workshops ist zwar etwas sperrig; aber der Inhalt und das Erlebte in Theorie und Praxis ganz und gar nicht!

Im Landschaftspark Duisburg Nord bietet am 2. November 2018 im Rahmen der intermezzo Workshoptage die PHOTO+ADVENTURE (Duisburg/Kerken) auch diesen Portrait-Kurs an.

Den Workshop leitet Jens Brüggemann, einer der bekannten und etablierten Werbefotografen in Deutschland. Darüber hinaus ist der Fotograf u.a. Dozent und Autor und hat über 25 oft richtungsweisende Fachbücher zum Thema Fotografie und Kreativität veröffentlicht.

Zwei mobile Studioblitze in einer coolen Location, zwei Models, zwei Teams mit je drei Fotograf*innen treffen mit vollen Akkus und leeren Speicherkarten in der Nordparkhütte beim Klettergarten auf Jens Brüggemann und erleben – um es gleich vorweg zunehmen – einen inspirierenden Workshop bei dem es nicht um’s konsumieren von trockenem Stoff geht, sondern um’s kreative selber machen. Ein Konzept – ganz nach meinen Geschmack – Ich freue mich als Teilnehmer dabei zu sein – wunderbar!

Theorie

Nach einer knappen theoretischen Einführung und Auffrischung zu Verschlusszeit, Blendeneinstellung und der Wahl des ISO-Wertes zur Bildgestaltung, geht es hier und heute um den vierten Belichtungsparameter: das zusätzliche (Blitz-)Licht.

Und dieser vierte Parameter hat es in sich! Man kann zum Beispiel hartes oder weiches Licht erzeugen und mit Lichtformern flächig oder punktuell ausleuchten. Auch die Position der Lichtquelle im dreidimensionalen Raum ist ebenso ein entscheidendes Gestaltungselement, um die eigene Bildidee förderlich umzusetzen.

Sowohl der quadratische Zusammenhang zwischen Entfernung der (Blitz-)Lichtquelle zum Model und deren Umsetzung in Blendenstufen als auch die Gestaltungen von romantischer Gesamtstimmung zu dramatisch bedrohlich wirkenden Szenen sowie andere Aspekte zum Thema Licht werden kurz angesprochen. Dann geht’s aber auch schon zügig ans Selbermachen.

Hamburger Fotospots Cheatcard – mehr zum Thema hier

Blendenstufen (Quelle: Wikipedia):
Die Blendenreihe ist so angelegt, daß die durch das Objektiv fallende Lichtmenge sich von Blendenstufe zu Blendenstufe halbiert. Der Blendendurchmesser reduziert sich von Blendenstufe zu Blendenstufe um den Faktor 1/√(2) , wodurch sich Fläche und Lichtmenge halbieren. Diese Abstufung entspricht der üblichen Belichtungszeitsreihe und ermöglicht dadurch ein einfaches Anpassen von Blende und Belichtungszeit bei gegebener Beleuchtung. Jede Zahl wird aus der vorhergehenden durch Multiplikation mit √(2) berechnet. Die mathematisch exakten Werte decken sich nicht genau mit der üblichen Blendenreihen-Konvention, sondern sind gerundet“

Ein wichtiges Fazit aus dem Theorieteil für mich: Das Licht verändert sich nicht linear, sondern quadratisch mit dem Abstand. Zum Beispiel: Wenn ich nun das Motiv 3 m entfernt von der Lichtquelle aufstellen (3 * 3 = 9, reziprok 1/9) beträgt die Lichtstärke nun 1/9 von dem ursprünglichen Wert. 
Oder: 1 Blendstufe entspricht der doppelten ↑ respektive halben ↓ Helligkeit!

Praxis

Zur Praxis wechseln wir in die ehemalige Gasreinigung. Das erste Team arbeitet mit einer „harten“ (Blitz-)Lichtquelle und das zweite Team mit einer „weichen“. Zum Einsatz kommen jeweils mit Funkauslösern bedienbare transportabele Studioblitze mit unterschiedlichen Lichtformern.

Bei den verwendeten Blitzanlagen sind jeweils kreisförmige Blitzröhre in der Blitzkopf-Leuchte und Generator/Akku getrennt. Das erleichtert den mobilen Einsatz. Der oben am Stativende befestigte Blitzkopf begünstigt durch sein geringes Gewicht die Stabilität des Aufbaus  – insbesondere bei Wind. Außerdem ist diese Konstruktion insgesamt sehr leicht. Der Generator mit Akku sowie ein ergänzendes Hantelgewicht werden zusätzlich am Stativfuß  befestigt. Die Energie liegt mit rund 400 Ws deutlich über der von Systemblitzen.

Als sehr angenehm habe ich erlebt, dass pro Team immer nur ein Fotograf den Funkauslöser auf dem Blitzschuh der Kamera hat und mit dem Model arbeitet. Da der ganze Ablauf pro Szene reih um geht und bei nur drei Fotografinnen bzw. Fotografen im Team sowie durch das sehr erfahrene, routinierte, geduldige und hoch motivierte Model  Lida, stellen sich schnell Erfolgserlebnisse und gute Bilder ein. Es entsteht eine unverkrampfte und lockere Fotoshooting-Atmosphäre. Lida kennt sich mit dem Licht sehr gut aus, hat ein tolles Gespür, postet sehr souverän und geht außerdem auf die weit weniger erfahrenen Teilnehmer super ein. Auch die Umsetzung eigener Inspirationen und Bildideen ist in dieser on location bei langsam untergehender Sonne möglich. Das ist für mich sehr beflügelnd  – klasse.

Schon der erste Druck auf den Auslöser schärft das Verstehen des Ansatzes der kreativen Lichtführung. Ich stelle die Kamera auf den Hintergrund ein. Dann positioniere ich das Model vor dem Hintergrund, fokussiere auf das Model und mache ein zweites Testbild bei ausgeschaltetem Blitz. Dabei überprüfe ich, ob der Hintergrund  in der gewünschten  Unschärfe  und Helligkeit liegt. Als nächstes kommt der Blitz zum Aufhellen des Models hinzu. Jetzt ist noch die richtige Position sowie Helligkeit/Energie/Blendenstufe am Studio-Blitz zu optimieren so das das Model im gewünschten Licht erscheint. Schnell stellt sich das erste Erfolgserlebnis ein.

Ich gebe den Blitzauslöser an die nächste Teilnehmerin weiter. Szene für Szene lernen wir dazu und entwickeln uns langsam weiter. Als die Sonne tief steht fotografieren wir durch die alte Halle ins Gegenlicht und hellen mit der Blitzanlage auf.

Dann setzen wir den Blitz hinter dem Model als Haarlicht ein und hellen das Gesicht mit einem Reflektor auf. Auch wenn uns noch viele Fehler passieren, lernen wir intensiv dazu. Manchmal stimmt zwar die Balance zwischen Vorder- und Hintergrund wunderbar, aber vor lauter Begeisterung stimmt der Bildausschnitt nicht. Oder ein anderes mal passt die Festbrennweite nicht zur Bildidee. Auch eine versehentlich verstelte zu kurze Verschlußzeit erzeugt Murks mit schwarzen Balken und nur teilweise belichteten Bilden.  So lernen wir ständig die Ergebnisse zu kontrollieren und Fehler sofort zu korrigieren sowie uns zu verbessern.

Später tauschen die beiden Gruppen untereinander Model und Location. Die zweite Blitzanlage ist jetzt auf weiches Licht mit einem Striplight ausgestattet. Allerdings verschwindet für die angedachte Szene allmählich die Sonne und damit das available Light.

Ich nutze die Gelegenheit und shoote mit Natalie  im Freien zur blauen Stunde weiter. Die blaue Stunde ist aber in unserer Gegend um diese Jahreszeit extrem kurz.

Anschließend sammelt uns der Workshopleiter ein und wir machen einen Doppel-Aufbau für beide Gruppen an einer maroden Werkslok. Inzwischen ist es dunkel geworden und wir müssen zum Fokussieren das Einstell-Licht der Blitze benutzen. 

Behind the Scenes

Schließlich beenden wir den praktischen Teil, packen ein und gehen zum theoretischen Abschluss in die Hütte am Startpunkt zurück. Hier bekommen wir auch die Model Release Verträge.

Ein Teil meiner heutigen Bilder sind unter dem Menüpunkt Galerie im Album Workshop Beauty-Porträt- und Fashion-Fotografie zu finden. Und einen weiteren Teil im Menüpunkt Portfolio unter dem Album Portraits.

Fazit

Ich habe heute sehr viel dazu gelernt und bin begeistert. Ein erstklassiges Konzept, das entscheidende Hintergründe  in einer effizienten Balance  zwischen Theorie und Praxis vermittelt  und sicherlich dazu beiträgt künftig bessere Bilder zu machen. Ein sehr souveräner,  angenehmer Workshopleiter: zielführend,  immer straight ahead, ohne Druck und unkompliziert direkt ohne langweilige Sprüche. SUPER!

Auch die Zusammenarbeit der Fotografinnen und Fotografen untereinander habe ich sehr harmonisch und teamfördernd erlebt.

Äußerst angenehm überrascht hat mich auch die Professionalität und Kompetenz  sowie die Hilfsbereitschaft der Models – und außerdem  sin Models Menschen wie du und ich! Nochmal herzlichen Dank an Alle und an Lida im Besonderen.

Epilog: Den Workshop kann ich uneingeschränkt jedem empfehlen, der sich für Portrait-Fotografie interessiert. Am besten zusammen mit dem 2018 erschienenen Buch von Jörg Brüggemann mit dem Titel Kreative Lichtführung.  

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